Lukas Hafner

Journalist

Wenn der eigene Balkon zum Brutgebiet wird — elf Entenküken auf Bieler Terrasse geschlüpft

Enten, die auf Balkonen oder in Gärten brüten, das kommt immer wieder vor. So auch auf der Terrasse des Ehepaars Moser in der Nähe des Elfenau Parks in Biel.

Bereits im letzten Jahr nistete sich schon einmal eine Ente auf dem Balkon von Peter und Hela Moser ein. «Damals sind wir erschrocken und wussten natürlich auch nicht, was man machen muss», erklärt der ehemalige FDP-Grossrat am Telefon. Als die Enten damals geschlüpft seien, habe er angefangen, herumzutelefonieren. Schlussendlich seien sie über die Feuerwehr und die Polizei an einen Wildhüter vermittelt worden, welcher die Küken und deren Mutter abholte und sie im Naturschutzgebiet in Hagneck freiliess.

Schon damals sagte der Wildhüter die Rückkehr der Ente im nächsten Jahr voraus. «Dieses Jahr hat sie sich dann tatsächlich exakt an der gleichen Stelle wieder eingenistet», sagt Moser. Er informierte daraufhin erneut den Wildhüter, um zu fragen, was zu tun sei. Einmal da, könne das Tier nicht mehr vertrieben werden, erklärte dieser.

Insgesamt hat die Ente dann elf Eier gelegt. Sobald das letzte im Nest lag, habe sie begonnen, diese mit Flaum zuzudecken, und sie verliess den Ort nur noch 60 bis 90 Minuten pro Tag. «Von diesem Moment an kann man mit 28 bis 32 Tagen rechnen, bis die Kleinen schlüpfen.»

Am Montagabend wollten die beiden gerade das Haus verlassen, als das erste Küken auf dem Balkon umherlief und zurück ins Nest gelegt werden musste. «Am Dienstagmorgen spazierten sie dann schon alle umher», sagt Moser. Nach eineinhalb Stunden kam dann der Wildhüter und holte die Mutter und ihre acht Jungtiere ab. 

Weil die Mutter ihre Jungen nicht füttere und diese innerhalb einer nützlichen Frist ins Wasser müssen, dürfe mit der Bergung nicht gewartet werden. Doch nicht nur das kann für die Jungtiere gefährlich werden, denn trotz des ansonsten sicheren Standortes sind wohl schon kurz nach dem Schlüpfen drei Küken den Krähen zum Opfer gefallen.

«Wir haben die Überreste eines Kükens auf der Terrasse gefunden und hatten auch zum ersten Mal Krähen auf dem Geländer», erklärt Moser dazu. Doch insgesamt sei der ausgewählte Brutplatz sehr gut geschützt gewesen, befand auch der Wildhüter. Gut möglich also, dass die Ente im nächsten Jahr den Weg erneut auf die Terrasse von Peter und Hela Moser sucht und findet.

Keine Seltenheit

Dass Wasservögel in Gärten oder auf Balkonen brüten, sei keine Seltenheit, weiss man bei der Schwanenkolonie in Biel. Doch das Phänomen nehme zu. Ein Grund sei sicherlich, dass die Tiere an solchen Orten oft einen sicheren Brutplatz vorfinden würden. Gleichzeitig sei es aber auch so, dass der Lebensraum der Tiere durch die Menschen und die Landwirtschaft immer mehr eingegrenzt werde und die Tiere dadurch auf andere Orte ausweichen müssen.

Auf die Frage, wie man reagieren sollte, wenn eine Ente im Garten oder auf der Terrasse brütet, erklärt ein Tierpfleger der Schwanenkolonie: «Bis die Ente fertig gebrütet hat, muss man sie in Ruhe lassen. Dann kann man die Jungtiere und die Mutter mittels einer Transportbox an einen sicheren Ort wie beispielsweise in ein Naturschutzgebiet bringen.» Es sei aber nicht immer einfach, die Mutter einzufangen. Diese müsse aber zwingend bei den Jungtieren bleiben. Professionelle Hilfe eines Wildhüters ist in diesem Fall also durchaus angebracht.

Die Schwanenkolonie selbst bietet diesen Service nicht an, nimmt die kleinen Enten aber dann auf, wenn sie keine Mutter mehr haben. Diese werden dann in einem Käfig mit Zugang zum Wasser aufgezogen. Je mehr Jungtiere in einer Gruppe sind, umso grösser seien die Erfolgschancen. «Die Küken brauchen sehr viel Aufmerksamkeit. Ist die Gruppe sehr klein, müssen wir einen grösseren Part übernehmen», erklärt der Tierpfleger. Sind die Enten dann gross genug, werden auch sie an einem sicheren Ort in die Freiheit entlassen.

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