Die Arbeit in den steilen Hängen ist hart, bringt aber auch schöne Momente und Verbundenheit mit der Natur und der Region mit sich. Ein Blick ins Leben von Winzer Johannes Louis.

Die Sonne brennt auf die Rebberge oberhalb des glitzernden Bielersees. Das Rebgut von Johannes Louis in Schafis fügt sich ins idyllische Landschaftsbild ein, als wäre es schon immer Teil davon gewesen. Bereits in der vierten Generation führt er den Betrieb, der Familienname Louis wurde schon 1498 als Burgergeschlecht der Nachbargemeinde Ligerz urkundlich erwähnt. Das kleine Schafis gehört politisch zu La Neuveville, ist aber mehrheitlich deutschsprachig.
Gleich hinter dem Wohnhaus und dem Weinkeller von Louis befinden sich die dazugehörigen Rebstöcke. Auf 3,5 Hektaren Land reihen sich die rund 21’000 Rebstöcke fein säuberlich aneinander. «Es ist ein relativ steiler Hang mit vielen Trockenmauern und kleinen Wäldern oder Büschen dazwischen», sagt Louis. Früher habe er immer etwas neidisch auf die grossen Anbauflächen, wie man sie beispielsweise in Frankreich findet, geschaut. «Heute gefällt es mir hier aber trotz der etwas schwierigeren Bedingungen besser und es ist auch ökologisch eine wertvollere Fläche».

Bald vierzig Jahre sind nun schon vergangen, seit Louis die Winzerlehre angefangen hat. Danach hat er die Önologieschule besucht und später die Meisterprüfung absolviert. «Vor drei Jahren habe ich dann entschieden, wieder einmal die Schulbank zu drücken und habe einen Kurs zum Thema biologischer Weinbau besucht.»
«Manchmal hat es fast etwas Meditatives»
Welchen Beruf er erlernen wird, stand für Louis als Jugendlicher nie wirklich zur Diskussion. «Das war damals nicht wirklich eine Überlegung, die man gemacht hat. Die Kinder der Winzer sind fast alle in die Fussstapfen ihrer Vorfahren getreten», erklärt er. Schon als 10-Jähriger habe er seinem Vater im Weinkeller geholfen. Dieser habe ihm immer viel Vertrauen geschenkt und ihn machen lassen.
Als Louis mit 15 Jahren dann seine Lehre begann, war es weniger der Wein an sich, der ihn faszinierte. Den mochte er damals gar nicht besonders. «Mir hat mehr das Arbeiten mit der Natur, den Händen und damals auch mit den Maschinen gefallen.»
«Sich mit Freunden bei einem Glas Wein auszutauschen, ist gelebte Freundschaft.»
Während der Lehre ist aber auch Louis auf den Geschmack gekommen und heute schätzt er den Wein nicht nur als Getränk, sondern auch im gesellschaftlichen Sinne. «Wein ist für mich immer auch Freundschaft, Geselligkeit, Gemütlichkeit, Gastfreundschaft und Entspannung», erklärt er. Heute habe man zwar die Tendenz, viel zu kommunizieren, Informationen auszutauschen und man sei über Social Media mit vielen Menschen befreundet. «Das ist ja alles gut und recht, aber sich mit Freunden bei einem Glas Wein auszutauschen, hat für mich schon eine andere Qualität, das ist gelebte Freundschaft», sagt Louis.

Auch die Freude an der Arbeit mit der Natur und auf dem eigenen Boden ist Louis bis heute geblieben. Manchmal sei es zwar etwas stressig. Gerade im Sommer bleibe wenig Freizeit übrig. «Meine Rebstöcke sind meine Mitarbeiter und sie geben vor, wann was zu tun ist», sagt er. Mit der Zeit gewöhne man sich aber daran. «Gerade bei repetitiven Arbeiten kann man sich auch etwas verlieren und etwas anderes denken. Manchmal hat es fast etwas Meditatives.»

Tetris im Weinkeller
Auf dem Weingut werden Pinot Noir, Chasselas, Sylvaner, Sauvignon blanc, Cabertin, Divico, Gamarello und Sauvignac angebaut. Im Rebbauernhaus aus dem 16./17. Jahrhundert werden die Trauben dann zu Wein verarbeitet. Mit dem Ablesen der Trauben beginnt Mitte September die arbeitsreichste Zeit für die Winzer. Die Trauben müssen geerntet, gepresst und ein erstes Mal gegärt werden. «Die intensivste Zeit dauert rund drei Wochen», sagt Louis. Über den Winter gehe es weiter mit verschiedenen Überwachungsarbeiten. So muss beispielsweise regelmässig der Säuregehalt im heranreifenden Wein gemessen werden.

Im Frühling wird der Wein dann filtriert und in die Flaschen abgefüllt. «Den Weisswein füllen wir nach fünf bis sechs Monaten ab. Alles, was Barrique ist, also in Eichenfässern gelagert wird, bleibt 18 Monate dort und wird erst dann abgefüllt». Das bringt die Kapazitäten im alten Weinkeller an seine Grenzen. Früher habe er den Wein höchstens 12 Monate im Fass belassen. «Damals konnten wir den Wein vor dem Lesen der Trauben abfüllen und die Fässer gleich wieder neu befüllen. Mit der längeren Lagerung braucht man doppelt so viele Fässer.» In den historischen Bauten sei der Platz begrenzt und schwierig auszubauen. «Unser Lieblingsspiel in den Kellern ist Tetris», lacht Louis.
Erntehelfer sind schwierig zu finden
Für das Ablesen der Trauben holen sich die Winzer jeweils Hilfe von Erntehelfern. Louis hat im September nebst seinem Mitarbeiter während rund 10 Tagen etwa 15 zusätzliche Leute auf seinen Feldern. Diese zu finden, sei aber nicht immer einfach. «Viele könnten beispielsweise nur an einem Mittwochnachmittag oder an einem Samstag kommen. Das nützt mir aber nicht so viel beim Lesen.» Für dieses Jahr hat Louis bereits einige Personen gefunden. Zwei kommen aus Portugal, zwei aus Deutschland, einer aus Afghanistan und vier aus der Schweiz. Louis selbst ist während dieser Zeit vor allem im Keller. Sein Mitarbeiter, welcher ebenfalls Winzer ist, koordiniert die Arbeiten auf dem Feld.
Mit dem Ablesen der Trauben, der Weiterverarbeitung und dem Abfüllen in die Flaschen ist die Arbeit aber nicht getan. «Schlussendlich müssen wir das Produkt auch noch an unsere Kundinnen und Kunden bringen», sagt Louis. Er kenne viele davon persönlich und oft sei es Mund-zu-Mund-Propaganda, die helfe. «Wir haben jeden Samstag von 10 Uhr bis 13 Uhr geöffnet und man kann alle Weine probieren und auch gleich mitnehmen.» Wer den Wein lieber liefern lässt, kann diesen auch per Telefon oder direkt über seine Website bestellen. Nach Hause geliefert wird aber erst ab einer bestimmten Menge an Flaschen. Louis bietet für grössere Gruppen zudem Apéros, Degustationen und Führungen durch die Rebberge und durch die Region an.

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