Bauer Jan Ryser aus Golaten bleibt auf Tonnen Kartoffeln sitzen. Dies, weil Grossabnehmer Teile seiner Ernte als mangelhaft einstufen. Nun will er die Kartoffeln an Private verkaufen.

32 Tonnen Kartoffeln stehen auf dem Hof von Landwirt Jan Ryser in Golaten bereit für den Verkauf. Doch obwohl die Kartoffeln geniessbar wären, weigern sich Grossabnehmer, die Ware anzunehmen, wie «20 min» schreibt. Grund dafür seien Mängel im Aussehen der Kartoffeln. Gelten mehr als 7 Prozent der angelieferten Menge als mangelhaft, können die Grossverteiler die Annahme verweigern. «Obwohl 88 Prozent meiner Charge einwandfrei sind, durfte ich sie nicht an meinen Abnehmer verkaufen», sagt Ryser. Oft reichen schon winzige Schönheitsfehler. So reiche bereits ein 3 Millimeter tiefes Drahtwurmloch aus, um eine Kartoffel als mangelhaft zu bezeichnen, obwohl ein solches abrüstbar und die Ware einwandfrei geniessbar wäre.
«Es ist skandalös und traurig, dass eine so grosse Menge an Lebensmitteln wegen solch winziger Mängel verschwendet wird», findet der Bauer. In Jahren mit schwächeren Ernten seien die Abnehmer jeweils kulanter gewesen. Dieses Jahr sei der Markt aber gesättigt und alles, was nicht perfekt aussehe, werde zurückgewiesen. Eine so grosse Menge an Lebensmitteln einfach wegzuwerfen, kommt für den Landwirt aber nicht infrage. Deshalb versucht er seit einer Woche, die Ernte direkt ab Hof zu verkaufen. Für 10 Kilo Kartoffeln verlangt er 10 Franken. Bisher wurde er so aber erst 950 Kilo los.
Produktionskosten von 9000 Franken
Könnte Ryser die Ware an einen Grossabnehmer verkaufen, würde ihm das rund 15’000 Franken einbringen. Die Produktionskosten der 32 Tonnen Kartoffeln beliefen sich auf etwa 9000 Franken, wobei in diesem Betrag die Arbeitsstunden noch nicht eingerechnet sind. «Wenn ich sie an eine Biogasanlage abgebe, bekomme ich etwa 4500 Franken», erklärt der Landwirt.
Auf die Idee, die Kartoffeln direkt ab Hof zu verkaufen, habe er positive Reaktionen bekommen und viele hätten ihm Mut zugesprochen. Nichtsdestotrotz, dass der Verkauf etwas schleppend läuft, erstaunt Ryser nicht. «Für viele ist es halt bequemer, beim Coop oder der Migros einzukaufen – das kann ich gut verstehen.» Ryser ist froh, konnte er wenigstens den Rest seiner insgesamt 150 Tonnen Kartoffeln an Grossabnehmer verkaufen.
Kritik an den Machtverhältnissen
Für den Jungbauern kommt die Problematik aber nicht von ungefähr. Er kritisiert, dass die Bauern immer weniger mitreden könnten. Während die Qualitätsvorschriften immer strenger würden, fehle es an Möglichkeiten, Schädlinge und Krankheiten zu bekämpfen. Die Verbände stünden dabei zu wenig hinter den Urproduzenten. Als solcher fühle er sich als schwächstes Glied der Kette: «Wir tragen die Verantwortung von der Knolle bis zum fertigen Produkt im Laden – haben aber nichts zu sagen. Es heisst einfach immer: Entweder du lieferst zu diesen Konditionen – oder gar nicht.»

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