Am Tag des weissen Stocks wurde im Centre Bahnhof in Biel auf Themen rund um Sehbehinderungen aufmerksam gemacht.

Ohne etwas zu sehen von der nächsten Busstation nach Hause zu laufen oder im Selbstbedienungsrestaurant einen Kaffee aus der Maschine lassen. Was für die meisten unvorstellbar scheint, ist für Blinde und für Menschen mit einer Sehbehinderung Alltag. Um auf die Schwierigkeiten, welche dabei entstehen, aufmerksam zu machen, hat der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband sbv anlässlich des Tags des weissen Stocks am Mittwoch diverse Veranstaltungen organisiert. Auch die Sektion Biel/Bienne-Berner Jura war im Centre Bahnhof in Biel vor Ort, um Interessierte auf die Thematik aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren. Der weisse Stock, umgangssprachlich oft Blindenstock genannt, und auf dem Boden angebrachte Leitlinien seien unverzichtbare Orientierungshilfen für Betroffene, schreibt der sbv in einer Medienmitteilung. Hindernisse wie Abfallsäcke, falsch parkierte Fahrzeuge oder Trottinetts, auf Gehwege ragende Rampen oder unaufmerksame Passanten würden aber oft ein sicheres Vorwärtskommen von Betroffenen verhindern. Was für Sehende bloss ein Ärgernis darstelle, könne für Blinde und Sehbehinderte zu einer echten Gefahr werden. Deshalb sei es sehr wichtig, die Leute auf das Freihalten von Wegen und Leitlinien zu sensibilisieren.

Der weisse Stock ist mehr nur Hilfsmittel
«Heute geht es darum, den Menschen zu zeigen, dass der weisse Stock eine Bedeutung hat», erklärt Esther Garo, welche beim sbv-fsa Sektion Biel/Bienne-Berner Jura arbeitet, gegenüber Canal 3. Beispielsweise habe man beim Überqueren einer Strasse beim Zeigen des weissen Stocks immer Vortritt, auch ausserhalb der Fussgängerstreifen. Zudem sei er in den verschiedensten Alltagssituationen ein eindeutiges Erkennungszeichen dafür, dass jemand nichts oder nicht gut sehen könne. Merke man, dass eine blinde oder sehbehindert Person Hilfe benötige, reiche es oft, sie darauf anzusprechen und seine Hilfe anzubieten. «Wichtig ist aber, dass die Kontrolle und Verantwortung immer bei der betroffenen Person bleibt», erklärt Garo. Einfach eine Person irgendwo hinführen zu wollen, ohne zu fragen, sei nicht der richtige Weg.
Mehr Akzeptanz für Blindenhunde
Wer wollte, konnte am Mittwoch mit Dunkel- und Simulationsbrillen selbst einen kurzen Moment erleben, wie es ist, mit einem Blindenstock seinen Weg zu ertasten. Dazu haben die Organisatoren einen kurzen Parcours mit Leitstreifen aufgestellt und begleiteten die Leute bei einem Rundgang durchs Einkaufszentrum.
Weiter konnte man einen Einblick in die Brailleschrift erhalten oder sich mit diversen Alltagsgegenständen vertraut machen, welche betroffenen das Leben erleichtern sollen. Von sprechenden Uhren über Jasskarten mit extra grossen Symbolen oder einem Memory zum Tasten hat die Boutique Chez Louis einen Teil des Angebots mitgebracht. Die Boutique befindet sich in Biel und hat jeden Dienstagnachmittag geöffnet.

Doch nicht nur der weisse Stock stand im Zentrum des Interesses, sondern auch die vierbeinigen Helfer. Verschiedene Führhunde, also Blindenhunde, und ihre Besitzerinnen und Besitzer waren vor Ort. Obwohl sie im Alltag eine grosse Hilfe seien, würden die Hunde nicht überall akzeptiert. Dabei sei diese Ablehnung nicht immer zulässig, weiss Marsali Christen, welche für Fragen und Auskünfte am Stand mithalf. «Überall, wo man mit Strassenschuhen hin darf, müssen auch Blindenhunde zugelassen werden», erklärt sie.


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