Das Führungsduo des Festival du Film Français d’Helvétie hat sich zurückgezogen. Was sind nun die Optionen? Nachgefragt bei der Bieler Kinobetreiberin Edna Epelbaum.

Das Gründungsduo Charlotte Masini und Christian Kellenberger zieht sich vom Festival du Film Français d’Helvétie (FFFH) zurück. Sie, Edna Epelbaum, waren nahezu seit Beginn die künstlerische Leiterin. Was bedeutet das Festival für Sie?
Edna Epelbaum: Es bedeutet mir sehr viel. Das Festival gab es schon in den 90er-Jahren und entstand auf Initiative von Filmliebhaberinnen und -liebhabern aus der Region. In den 00er-Jahren haben Christian Kellenberger und Charlotte Masini den Anlass wieder zum Leben erweckt und in den letzten 20 Jahren etwas sehr Schönes daraus gemacht. Gerade wegen dieser Leidenschaft zum Film und zum Kino als Kultur- und Begegnungsort fände ich es sehr traurig, wenn man es nicht wieder auf die Beine stellen könnte.
Gibt es denn schon konkrete Ideen dafür, wie es mit dem FFFH weitergehen könne?
Wir sind daran, Lösungen zu suchen. Zu dieser Suche kann ich einiges beitragen, weil ich in den letzten Jahrzehnten viel mit dem Festival zu tun hatte; auch, weil es in meinen Kinos stattfindet. Das eigentliche Ziel ist es, eine zukunftsweisende Struktur aufzubauen, die nicht ganz so abhängig von einer Person ist, wie es bislang der Fall gewesen ist.
Für eine Weiterführung kommen vor allem zwei Optionen infrage: Entweder jemand übernimmt das Festival komplett und muss dafür eine Lizenzgebühr zahlen, oder die Strukturen werden neu aufgebaut und es braucht ein neues Team und einen neuen Namen. Wäre Letzteres nicht zu kompliziert?
Ein Name ist ein Name. Ich denke, ein Festival ist letztlich wie eine leere Hülle. Erst der Inhalt macht den Anlass zu dem, was er ist. Christian Kellenberger und Charlotte Masini möchten gerne die Lizenz verkaufen, was aus ihrer Perspektive verständlich ist. Sie haben in den letzten zwei Jahrzehnten viel Arbeit investiert. Eine andere Option ist es, wie gesagt, eine neue Organisation aufzubauen. Zusätzlich gibt es vielleicht auch noch irgendetwas dazwischen. Wir müssen das alles mit den Verantwortlichen der Stadt, aber auch mit dem Kanton und der Region anschauen. Bei einem Festival wirken mehrere Parteien mit und tragen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung zum Gelingen bei. Es geht nun darum, mit diesen Parteien Gespräche zu führen. Immer mit dem Ziel, ein Filmfestival in Biel zu halten. Ich werde dabei von erfahrenen Personen unterstützt, welche genau wie ich den Anlass in Biel durchführen wollen.
Sind Sie regelmässig im Gespräch mit Charlotte Masini und Christian Kellenberger?
Wir sind die letzten Jahre und Monate immer im Gespräch gewesen. Dass sie sich nun auf Ende Jahr zurückziehen, bringt zeitliche Herausforderungen mit sich. Wenn eine neue Struktur aufgebaut werden soll, dann sollte dies lieber heute als morgen in Angriff genommen werden. Denn das denkbar schlechteste Szenario wäre, wenn Frau Masini und Herr Kellenberger das Festival nicht verkaufen können und wir vor dem Nichts stehen würden.
Die Lizenz zu kaufen, ist für Sie also keine Option?
Für Cinevital kommt das in dieser Form nicht infrage.
Gibt es andere Interessenten, die diesen Schritt in Betracht ziehen?
Es gab sicher Leute, die im Gespräch waren, aber sich schliesslich dagegen entschieden haben. Ein Festival durchführen zu können, bedingt mehr als nur die Lizenz. Man braucht beispielsweise auch die Kinos. Wenn jemand ohne diese Kapazitäten die Lizenz kaufen will, braucht es für die Räumlichkeiten eine entsprechende Zusammenarbeit. Von mir aus gesehen gab es bisher noch niemand, der bereit war, den Schritt zu wagen und auch die Kosten zu tragen.
Wissen Sie, welchen Preis Charlotte Masini und Christian Kellenberger für die Lizenz verlangen?
Ja, das weiss ich. Ich glaube aber, dass es nicht an mir ist, diese Zahlen weiterzugeben.
Ihnen ist es wichtig, dass bei einer Neuauflage das Festival nicht nur an einer oder sehr wenigen Personen hängt. Sind Sie im Gespräch mit potenziellen Partnerinnen und Partnern?
Selbstverständlich. Da geht es auch darum, dass man eine Art Strategiegruppe hat und jene Personen behalten kann, die bisher mitgemacht und Erfahrung haben. In erster Linie gilt es nun jedoch, mit der Stadt nach Lösungen zu suchen. Hier geht es auch um die Leistungsvereinbarungsverträge.
Charlotte Masini und Christian Kellenberger haben am Samstag gegenüber dem Bieler Tagblatt gesagt, sie würden es nicht ausschliessen, auch künftig eine kleinere Rolle zu übernehmen. Käme das für Sie infrage?
Es kommt darauf an, wie sich die nächsten Schritte entwickeln. Das wäre eine der Optionen, wenn jemand die Lizenz übernimmt. Das ist aber nicht die prioritäre Frage. Viel wichtiger ist, ob man es schafft, das Festival 2026 durchzuführen.
Sie waren selber nie Mitglied des Vereins FFFH. Warum nicht? Hätte das in der jetzigen Situation nicht einiges erleichtert?
Ja und nein, der Verein besteht nicht nur aus einer Person. Ich habe beim Festival den Kinoteil übernommen, bin selber Besitzerin von Cinevital und der Meinung, beim FFFH mitzuarbeiten oder im Vordergrund zu stehen, sind zwei verschiedene Sachen. In Zukunft gilt es, eine Struktur stabil und breiter abgestützt aufzubauen. Ein Verein mit zwei Personen bei einer Veranstaltung einer solchen Grössenordnung ist für mich nicht zielführend. Ich denke, ein Festival darf nicht zugrunde gehen, weil sich jemand zurückzieht.
Von Ihrer Seite deutet alles eher auf eine Neuauflage hin. Wäre es schwierig, dafür Sponsoren zu finden?
Da sind wir zum Teil in Gesprächen. Für mich steht fest: Eine Veranstaltung dieser Art und Weise in einer Stadt wie Biel ist einzigartig. Das Festival ist für die Bielerinnen und Bieler sehr wichtig. Aber nicht nur für sie, es strahlt auch über die Regionsgrenzen hinaus.
Wie gross schätzen Sie die Chance ein, dass es 2026 in irgendeiner Form ein Festival wie das FFFH gibt?
Ich arbeite daran.
Falls es nächstes Jahr nicht klappt, würde man es 2027 versuchen oder wäre es das Ende des Festivals?
Ich glaube nicht, dass es das Ende wäre. Es gibt noch einige Fragezeichen, bei denen wir Antworten finden müssen, damit es nächstes Jahr klappt. Ich will auch nicht sagen, dass es 2026 genau gleich sein wird wie 2025 oder 2024. Ich persönlich würde es aber als wichtig erachten, nächstes Jahr ein Festival zu veranstalten, damit man im Gedächtnis der Leute bleibt. Aber auch hier gibt es keine Garantie. Es bleibt ein Kampf gegen die Zeit. Ich bin aber ein optimistischer Mensch.

Hinterlasse einen Kommentar