Lukas Hafner

Journalist

Jodeln in das immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen – eine Seeländerin hat dabei mitgewirkt

Das Jodeln wurde ins immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen. Die Jodlerinnen und Jodler erhoffen sich von diesem Entscheid eine Stärkung der traditionellen Gesangstechnik.

Das Winzerfest in Vevey, die Basler Fasnacht, das Uhrmacherhandwerk oder die Alpsaison: Was sich liest wie eine zusammenhangslose Aneinanderreihung von Bräuchen und Traditionen, ist ein Auszug aus der Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco. Seit Kurzem ist diese um eine Schweizer Eigenheit reicher: das Jodeln. An seiner zwanzigsten Sitzung in Neu-Delhi hat das zwischenstaatliche Komitee der Unesco zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes die einzigartige Gesangstechnik in die Liste aufgenommen.

Die Idee, das Jodeln auf die Unesco-Liste zu bringen, habe es schon längere Zeit gegeben, erklärt Daria Occhini. Die gebürtige Inserin hat ein Musikstudium in der Fachrichtung Jodeln absolviert und konnte dazu beitragen, dass Jodeln nun zum Kulturerbe gehört. «Die Arbeitsgruppe, welche sich intensiv damit beschäftigt hat, lud immer wieder verschiedene Leute aus der Jodlerszene zu Sitzungen ein. Da war ich einige Male auch dabei», sagt Occhini. Dass die Chancen auf eine Aufnahme in die Liste gut stehen, habe man bereits im Vorfeld erahnen können. Das sei nicht zuletzt der Arbeitsgruppe zu verdanken, welche ihre Aufgabe sehr gut gemacht habe. Das hat auch die Unesco anerkannt und hebt bei ihrer Entscheidung die Qualität des eingereichten Dossiers und die «soliden partizipativen Prozesse» hervor, wie das Bundesamt für Kultur in einer Medienmitteilung schreibt.

Der Entscheid zeuge von Wertschätzung gegenüber der Tradition. Es sei wichtig, dass diese bewahrt werde. Aber nicht nur das, findet Occhini: «Sie soll auch leben und sich weiterentwickeln können. Dazu gibt es bereits neue Arbeitsgruppen.» Diese würden sich für eine Weiterentwicklung auf verschiedensten Ebenen einsetzen, wie beispielsweise im pädagogischen Bereich oder in der Literatur. «Da geht es etwa darum, dass das Jodeln auch in den Schulen wieder mehr Thema ist oder eben in der Literatur behandelt wird.» Das alles gebe viel zu tun, sagt Occhini.

Erfreut über den Entscheid der Unesco zeigt sich auch Martina Glauser, die Präsidentin des Jodlerklubs Lyss. «Wir sehen das als eine grosse Chance fürs Jodeln», sagt sie. Dass das Thema dadurch in den Medien Beachtung finde, sei positiv. Darüber hinaus erhoffe sie sich auch mehr Unterstützung für den Nachwuchs. Denn genügend Mitglieder zu finden, sei nicht leicht. «Viele Vereine im Seeland mussten sich zusammenschliessen oder ganz aufhören. Es wäre schön, wenn der Entscheid nun einen kleinen Boom auslösen würde und mehr Leute zumindest bei einem Verein vorbeischauen würden», so Glauser. Viele seien heute nicht mehr bereit, sich zu binden. So seien sie zwar oft gerne etwas dabei, wollten aber nicht aktiv Mitglied werden oder sich gar in einem Vorstand engagieren. Ein weiteres Problem sei, dass teilweise noch falsche Vorstellungen des Jodelns vorherrschen würden. «Vielfach wird es etwas belächelt und einige denken, wir singen nur von Bergen, Kühen und Blumen. Dabei hat sich viel geändert und weiterentwickelt.»

Solchen Sichtweisen zum Jodeln begegnet auch Occhini. Es gebe oft Vorurteile gegenüber der Schweizer Tradition. Viele würden denken, wer einem solchen Hobby nachgehe, müsse konservativ sein. Doch das sei nicht wahr, sagt sie: «Jodeln hat nichts mit einer politischen Haltung zu tun. Es ist für alle da.»

Das immaterielle Kulturerbe der Unesco
Mit dem Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes will die Unesco ein Kulturerbe thematisieren und schützen, das weniger mit Räumen oder Bauten zusammenhängt, sondern vor allem mit Wissen sowie mit gemeinschaftlichen Praktiken und gesellschaftlichen Interaktionen. Dieses Erbe umfasst etwa lebendige Ausdrucksformen wie mündliche Ausdrucksformen, darstellende Künste, gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum sowie Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken.

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